Industrieklettern: Sicher rauf, sicher runter

Show notes

Sie arbeiten dort, wo andere nicht hinkommen: Industriekletterer und -kletterinnen reparieren Dächer, montieren Brandschutztechnik in großen Gewerbehallen, verlegen Kabel am Kölner Dom oder bringen Halterungen in Schächten an. Bei ihrer Arbeit steht Sicherheit an erster Stelle. Das fängt bei der Persönlichen Schutzausrüstung (PSA) an und geht bis zur vorausschauenden Planung des Einsatzes inklusive möglicher Rettungsoptionen im Notfall. Im Gespräch mit der Moderatorin Katrin Degenhardt erklärt unser Gast Christian Otter vom Kölner Seilkommando, warum Industrieklettern nichts mit Klettersport zu tun hat und wie er die Sicherheit seiner Teams an ihren so unterschiedlichen Arbeitsplätzen auch ohne Fangnetz gewährleistet. Neben Redundanz und Gefährdungsermittlung spielt ein angemessenes Tempo eine wichtige Rolle: Denn gerade durch Stress und Hektik passieren Fehler, die zu schweren Unfällen führen können. Deshalb lautet sein Rat: Wenn du es eilig hast, mach langsam.

Der Gast: Christian Otter ist Industriekletterer und Geschäftsführer des Kölner Seilkommandos. Das Unternehmen bildet Industriekletterer und -kletterinnen aus, die schließlich an Fassaden, auf Dächern und in Schächten ihren Beruf ausüben. Es bietet außerdem Schulungen an, etwa zum Umgang mit PSA gegen Absturz. Christian Otter ist selbst nur noch selten „im Seil“, sondern kümmert sich hauptsächlich um Vorbesichtigungen, Einsatzplanung und Gefährdungsermittlung.

Das Thema: Zum Weiterlesen und -schauen: etem-Artikel: In luftiger Höhe – Arbeiten auf Dächern etem-Artikel: Von Kopf bis Fuß – Persönliche Schutzausrüstung Website Kölner Seilkommando Onlinemagazine der BG ETEM etem – Magazin für Unternehmerinnen und Unternehmer: https://etem.bgetem.de profi – Zeitung für Beschäftigte: https://profi.bgetem.de

Die BG ETEM Wer steckt hinter diesem Podcast? Die BG ETEM (Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse) ist die gesetzliche Unfallversicherung für rund vier Millionen Menschen in mehr als 200.000 Mitgliedsunternehmen. Zur offiziellen Website: www.bgetem.de

Show transcript

00:00:00: Wer irgendwo bei der Arbeit Stress und Hektik verbreitet, die Leute animieren.

00:00:05: Das muss aber schneller gehen jetzt hier.

00:00:08: Dann werden zumindest bei uns irgendwann Unfälle passieren.

00:00:11: Gerade bei Leuten, denen nicht so erfahren sind, bei denen noch nicht jeder Handgriff tausendmal gemacht wurde ... das ist ein Potenzial.

00:00:18: So kann ich Unfälle schüren.

00:00:22: Ganz sicher!

00:00:23: Der Podcast für Menschen mit Verantwortung.

00:00:32: So heißt der Podcast der BGE-TEM.

00:00:35: Wir wollen, dass Menschen sicher sind bei der Arbeit und auch auf dem Arbeitsweg.

00:00:39: wie das gelingt was Unternehmen tun damit ihre Leute gesund bleiben Herausforderungen und Lösungen im Arbeitsschutz darüber spreche ich mit meinen Gästen.

00:00:48: Ich bin Katrin Degenhardt Moderatorin und Gastgeberin Und jetzt geht's los Seil Gurt und Helm.

00:00:57: Und viel Equipment!

00:00:58: Das ist das Bild, dass viele sofort vor Augen haben wenn sie an Industrieklettern denken – kein Wunder?

00:01:05: Die richtige Ausrüstung ist eben essentiell, wenn es im Arbeitsalltag in schwindelerregende Höhen geht.

00:01:11: Doch Sicherheit ist mehr als die Ausrüstung, die man anlegt.

00:01:14: Der Teufel steckt im Detail von Selbsteinschätzung bis hin zu akkurater Planungen für alle Eventualitäten.

00:01:22: Denn wenn man in Wind und Wetter zum Beispiel an einer Gebäudefassade hängt kann ein kleiner Fehler große Konsequenzen haben.

00:01:30: Um das zu vermeiden Gibt es zum Glück Fachleute wie Christian Otter?

00:01:35: Er ist Industriekletterer und Geschäftsführer des Kölner Seilkommandos.

00:01:39: Und er weiß genau, wie es ist in großer Höhe zu arbeiten – und verantwortet täglich Team-Einsätze in ganz NRW!

00:01:47: Schön, dass Sie heute da sind Herr Otter.

00:01:49: Vielen Dank für die Einladung.

00:01:50: Herr Otta erste Frage Wie wird man denn eigentlich Industrie-Kletterer?

00:01:57: Begriff Industrie Kletterer ist erstmal ein falscher Begriff.

00:02:00: also viele Dinge mal ich bin kletterer, ich kann irgendwo sportlich hoch und dann kann ja auch Industriekletter werden.

00:02:07: Industrie-Kletter hat aber wenig was mit Klettern zu tun sondern eher mit Handwerk.

00:02:10: das heißt der Begriff industrie abseiler wäre erst einmal richtiger sprich.

00:02:15: wie wirkt man da dazu erkoren oder gemacht?

00:02:19: Man isst am besten erstmal gelernte Handwerker Megalog, Maurer, Schreiner, Glaser, Fassadenreiniger oder sonstiges.

00:02:28: Und dann ist es eigentlich nur eine Zusatzqualifikation.

00:02:30: Das heißt ne Ausbildung von erst mal einer Woche in der man lernt wie man am Seil sich auf und ab bewegt und wie man den Kollegen aus dem Seil rettet.

00:02:40: Dann ist man Level eins Industriekletterer und kann dann in einem Team mitarbeiten.

00:02:46: Wie sind Sie Industrie Kletterer geworden?

00:02:49: Bei mir war es ein kleiner Umweg.

00:02:51: Also ich habe neben dem Studium klassischerweise Konzerte aufgebaut, also dieser roadie Job.

00:02:57: Hab dann irgendwann diese Leute im Dach gesehen die die Motoren auffängen, die so genannten Riga und hab immer gefragt was muss man denn da machen oder für Können um oben im DACH rum klettern zu können?

00:03:09: Damals habe ich auch gedacht das ist viel mehr Klettern.

00:03:11: Und dann hieß es naja du brauchst eine Ausbildung zum Industriekletterer.

00:03:17: Die habe ich dann gemacht und hab dann bei der Ausbildung gemerkt, oh man kann sich auch die ganze Zeit in der Höhe gesichert bewegen.

00:03:24: Und nicht nur ich laufe da mal eben hin mach mich da fest das war damals so.

00:03:28: heute Gott sagt auch nicht mehr Ja und hab' dann die Ausbildung zum Industriekleiderer gemacht und bin aber dabei geblieben und bin nicht in die Rock n Roll schieb.

00:03:39: Na ja ein bisschen Rock N Roll ist das trotzdem immer noch?

00:03:42: Manchmal schon!

00:03:43: Für wen arbeiten Sie eigentlich?

00:03:45: Also was sind das für Branchen, was ist das für Kunden, was für Gebäude kann ich mir oder Einrichtungen kann nicht mehr davor stellen.

00:03:54: Das geht von privat bis wirkliche Großgewerbe.

00:03:59: Private Dachschrägen zu putzen und zu reparieren, kleine Schäden auf Dächern ausbessern... Über einen Kölner Dom durften wir auch schon arbeiten und ein paar Kabel montieren.

00:04:17: Bis große Gewerbehallen, wo wir Brandschutstechnik montieren, Reinigungen durchführen, also Großreinigung auch.

00:04:28: Das ist das Prinzip alles dabei!

00:04:32: bedienen wir, sagen mal jedes Handwerk zu dem man sonst ein Gerüst braucht oder eine Hubarbeitsbühne.

00:04:40: Wenn es um die Höhe geht, aber manchmal geht's auch in die Tiefe also enge Schächte zum Beispiel wo man gar nichts mehr rein bauen kann weil schon alles voll ist.

00:04:48: Aktuell sind wir hier an der Kölner Oper in diversen Schächten unterwegs und machen noch Restarbeiten das die Oper nicht einmal eröffnen kann im Herbst.

00:04:58: Das heißt da sind jetzt Zum Ende bei der Abnahme festgestellt worden, da fehlen noch ein paar Halterungen von Kabeln und jetzt geht halt kein Gerüst mehr rein.

00:05:08: Und dann planen wir den Zugang, seilen uns ab, montieren das oder bauen noch ein Paar Brandschutzgeschichten ein und dann ist es fertig.

00:05:17: Da gibt's ja keine andere Möglichkeit.

00:05:19: Wie sieht denn eigentlich so'n typischer Arbeitstag bei Ihnen?

00:05:23: Oder überhaupt eines Industriekletterers oder eine Industrie Kletterin aus?

00:05:27: Denn es gibt auch einige Frauen die das machen!

00:05:29: Ja, gibt es zum Glück auch immer mehr.

00:05:32: Auch bei uns im Team.

00:05:35: Wir treffen uns morgens an der Firma.

00:05:37: dann wird kurz besprochen nochmal was die Aufgabe für heute ist?

00:05:41: Dann werden die Fahrzeuge beladen weil wir brauchen ja nur für jede einzelne Tätigkeit auch unterschiedliches Werkzeug.

00:05:48: also von der Abseilgeschichte ist das meistens gleich.

00:05:51: jeder hat seinen Gurt und sein ganzes Zeug dabei was er wirklich fürs Abseilen noch braucht.

00:05:59: Aber dann brauchen wir für Montagen halt alles an Bohrmaschine, Akkuschrauber und Handwerkzeug.

00:06:05: Für die Reinigungsarbeiten brauchen wir Glasreinigungssets oder große Osmose-Reinigungsanlagen und und und.

00:06:12: Dann wird das gepackt und dann fahren wir zum Kunden.

00:06:16: Gucken uns diese Situation nochmal an und gehen dann noch mal mit allen die objektbezogene Gefährdungsmittlung durch.

00:06:22: besprechen das.

00:06:23: Besprechen auch die Sättungsmaßnahmen ja und dann geht es an den Aufbau und dann dann geht's los.

00:06:29: Und wie viel Zeit verbringen Sie dann tatsächlich in der Höhe und wieviel verbringen sie mit Vorbereitung, Planung, Abstimmung etc.

00:06:36: Hippe?

00:06:38: Also selber im Seil bin ich tatsächlich furchtbar wenig.

00:06:41: Ich würde sagen, ich bin maximal fünfzig Tage im Jahr noch selber auf den Baustellen zu gehen Ob jetzt als Aufsichtperson oder wirklich selber im seil.

00:06:50: Der Rest ist bei mir.

00:06:53: Vorbesichtigungen Einsatzplanung Angebote schreiben Gefährdungsmittelungen Vorschreiben, die werden ja auch nicht final von mir zugetextet.

00:07:02: Das ist ein dynamischer Prozess immer wieder und das ist so meine

00:07:08: Hauptaufgabe.".

00:07:09: Ihre Einsatzorte sind ja vielfältig also heute einen Kirchturm, morgen ein Hochhausschächte im Opernhaus übermorgen vielleicht eine Hochspannungsmast.

00:07:22: Wie sorgen Sie denn dafür, dass sie trotzdem immer strukturiert arbeiten können und das man da nicht in Improvisation rutscht?

00:07:29: Das meiste ist tatsächlich Erfahrung.

00:07:32: Also ich bin jetzt seit über zwanzig Jahren dabei und ich möchte nicht sagen, dass ich schon ungefähr alles gemacht habe.

00:07:39: Das wäre jetzt total vermissen.

00:07:41: aber meistens ist es ja so, einen kleinen Teil vom Gesamtauftrag nur ausführen und die Fachfirma wirklich vor Ort ist.

00:07:51: Nehmen wir jetzt Thema Brandschutz, dann ist es meistens so dass wir in Sprinkler an der Decke getauscht werden müssen, die Brandschutzzach-Firma mit dem Steiger an achtzig Prozent rankommt aber an zwanzig halt nicht weil da Maschinen runter sind oder Regale.

00:08:07: Und wenn man sich halt nicht sicher ist wie's zu tun isst Dann kriegen wir natürlich nochmal eine Einweisung von der Fachfirmer um das dann ausfühlen zu können.

00:08:17: Sie machen ja nicht nur Einsätze, sondern sie machen auch Schulungen.

00:08:21: Was sind das alles für Schulungen?

00:08:24: Also es sind erstmal Schulungen für Industriekletterer und Leute die sich dafür interessieren, die in Level eins zwei oder später um Level drei machen wollen also zum Aufsicht führenden Industrie-Kletterer Das bieten wir an, aber natürlich auch Schulungen im Umgang mit PSA gegen Absturz.

00:08:40: Also jeder der irgendwie ein Gurt von seinem Chef in die Hand gedrückt kriegt muss ja auch unterwiesen werden und diese Schulung bieten wie auch an sowohl als Erstunterweisung als natürlich auch jährliche Wiederholungsunterweisungen.

00:08:53: dazu kommen dann noch die Sachkundeschulungen für PSA Prüfer und auch Schulung für Höhenreiter.

00:09:01: Und wie kann man sich jetzt so eine Schulung vorstellen, also wie läuft das ab?

00:09:05: Wie viel ist der Theorie?

00:09:06: Wie viele ist Praxis?

00:09:08: Wer nimmt da alles teil und warum?

00:09:11: Also im PSA-Sektor, PSA gegen Absturz sind es tatsächlich meistens gewerbliche Arbeitnehmer von Dachdecker Hausmeister, Mobilfunkbauer.

00:09:23: Die nehmen daran teil, die müssen ja auch daran teilnehmen oder fast jeden Tag drinnen arbeiten.

00:09:29: Industriekletterer ist tatsächlich viele Selbstständige, die sagen ich möchte mich gern verändern.

00:09:38: Ich habe davon gehört und ich möchte das machen.

00:09:41: Die Hälfte ist selbstständig und wird dann nach Einzelunternehmer oder erweitert sein Gewerbe was er bis jetzt betrieben hat.

00:09:51: Und die andere Hälfe ist halt auch angestellt.

00:09:54: Da gibt es Gerüstbauer, die sagen auch das nehmen wir jetzt mal mit ins Portfolio auf und Schulen unsere Leute auch zu Industrieklettern oder Gebäudereiniger.

00:10:03: Also das ist unterschiedlich.

00:10:06: Und so ist auch unterschiedlich der Anteil an der Theorie im PSA-Bereich.

00:10:11: Es ist vielleicht fünfzehnzig Prozent, dreißig Prozent Theorie also rein von der Zeit und in Industrie Kletterweiche sind vielleicht ein bisschen weniger Oder am Level eins vielleicht auch so, dreißig Prozent.

00:10:23: Aber dann zum Level zwei, Level drei ein bisschen weniger.

00:10:26: Und dann mehr Praxis?

00:10:27: Ja und dann mehr praxis ja.

00:10:30: Wobei natürlich beim Level drei das große Thema Gefährdungsermittlungen dazukommt.

00:10:33: Das ist würde ich sagen der größte Teil tatsächlich vom theoretischen weil das ja unser täglich Brot ist bevor wir überhaupt mit der Arbeit anfangen können.

00:10:43: Sie erwähnten gerade Level Eins und Level Zwei, Level Drei.

00:10:48: Was ist das eigentlich genau oder was hat es damit auf sich?

00:10:51: Also die drei Level sind die unterschiedlichen Ausbildungsschritte, die man als Industriekletterer erreichen kann.

00:10:56: Man fängt logischerweise mit dem Level Eins an da lernt man einem Seil rauf unter ein Seilwechsel und natürlich jeweils die Rettungen aus den Situationen.

00:11:06: Dann kann man weitermachen mit Level zwei.

00:11:08: Da lernt man auch dann horizontale Zugänge, also Seilbahnbefahren oder Punkt zu Punkt Travisieren oder eine Rettung nach oben und jeweils natürlich immer die Rettungsverfahren.

00:11:20: Und beim Level drei muss man erstmal viele Qualifikationen nachweisen können.

00:11:24: Also mindestens zweieinhalbfünfzig Arbeitstage im Blogbuch haben.

00:11:28: Und da geht es dann hauptsächlich darum diese Gefährdungsermittlungen durchführen zu können und ausfüllen zu können Teamplanungen Und da kommt dann relativ wenig an Praxis noch dazu.

00:11:38: Da gibt es dann so Schrägseilbahnen, die man noch befahren kann und Rettung über den Knoten.

00:11:44: aber das ist tatsächlich eher nebensächlich.

00:11:46: hauptsächlich gehts da um die Risikoanalyse und das Erstellen von der Gefährdungsermittlung.

00:11:52: Dann wird auch immer entsprechend werden die Leute eingesetzt je nach dem was für Arbeiten gerade anliegen.

00:11:59: Genau, ein Team besteht ja sowieso mindestens aus zwei Personen und eine Person davon muss immer der Level dreier sein oder muss ein Level Drei Zertifikat aufweisen können.

00:12:08: Und je nachdem was für Arbeiten dann zu tun sind, muss man als zweiter Mindestens Level zwei oder halt Level eins haben.

00:12:14: das kommt darauf an.

00:12:15: aber die Teams können auch größer sein es können ja auch vier fünf Personen sein wobei dann irgendwann Schluss ist weil ein Level Dreier darf dann höchstens fünf Leute beaufsichtigen und dann bräuchte ich halt ein zweites Team dazu.

00:12:28: Also auch wieder viel Redundanz.

00:12:30: Viel Redundance definitiv!

00:12:33: Ich würde gerne nochmal einen Schritt zurückgehen und über ein Begriff sprechen, den Kletterer im Allgemeinen besonders häufig nutzen nämlich den Begriff sichern.

00:12:45: ist für Sie denn das technische Sichern gleich bedeutend mit Sicherheit oder Beginnsicherheit für sie schon an einer ganz anderen Stelle also schon viel früher?

00:12:55: Das Thema Sicherheit beginnt schon in der Ausbildung.

00:12:58: Also erstmal kann man oder darf man in Deutschland ja auch nur arbeiten, wenn man eine zertifizierte Ausbildung oder einen Zertifikat für ein Industriekletterer hat.

00:13:09: Ja damit fängt es an und da meinen auch viele... Naja ich komme von der Feuerwehr, ich kann das!

00:13:15: Oder ich bin Sport-Kletterer?

00:13:17: Ich kann das.

00:13:18: Ihr macht das jetzt seit zwanzig Jahren und ich habe ja auch mal als Einzelunternehmer angefangen und hab auch neben vielen Leuten gehangen, die man irgendwo so... außer Bulldahl oder Kletter alle mal gesehen hat.

00:13:31: Das ist heutzutage nicht mehr so, also da fing schon die Sicherheit an über eine zertifizierte Ausbildung dann durch eine Gefährdungsermittlung.

00:13:42: das wird auch von vielen vernachlässigt.

00:13:45: Materialprüfung also Auswahl vom richtigen Material natürlich geprüftes Material das ist die Sicherheit immer das Vier-Augen-Prinzip.

00:13:53: man guckt immer noch auf den Kollegen oder die Kolleginnen drauf.

00:13:57: Der Partner-Check, wie im Sportlettern auch.

00:14:01: Der wird natürlich gemacht und also die Sicherheit oder der Sicherheitsgedanke muss eigentlich immer da sein.

00:14:08: Und wahrscheinlich auch immer redundante Systeme?

00:14:11: Das ist bei uns sowieso der Fall.

00:14:13: Wir arbeiten immer in Zweiseiltechnik das heißt wir haben einen Seil was unter Belastung steht und ein Seil wo ein mitlaufendes Auffanggerät dran läuft was uns im Notfall auffangen würde.

00:14:29: Deswegen ja, mindestens zwei Seile sind bei uns

00:14:32: Pflichte.".

00:14:33: Und dann kommen wir – das war doch eine wunderbare Überleitung!

00:14:36: Weil wir bitten unsere Gäste immer etwas mitzubringen, was ganz viel mit ihrem Beruf zu tun hat und auch mit unserem Thema.

00:14:46: Da haben wir hier zwei Geräte vor uns liegen.

00:14:51: Erklären Sie uns doch mal, was ist das für zwei Gerätes?

00:14:53: Was hat das mit Redundanz zu tun?

00:14:56: Mache ich gerne.

00:14:57: Also wir haben natürlich immer unglaublich viel Zeug am Gurt von zwanzig, dreißig Karabiner und Schlingen- und Steigklemmen und sonstiges.

00:15:08: aber eigentlich sind es zwei Geräte die essentiell sind für unsere Arbeit und zwar ist das einmal ein Abseilgerät bzw.

00:15:18: in diesem Fall ein selbst blockierendes Abseihlgerät d.h.

00:15:21: da... Das hängt bei uns an der zentralen Öse.

00:15:26: Da kommt ein Seil rein, was dann hinter der Unterspannung steht und da sitzen wir drin.

00:15:31: Das ist unser Betriebsmittel.

00:15:34: Damit arbeiten wir.

00:15:36: Und sollte diesen Betriebsmittel mal etwas passieren oder sollte das Seil reißen oder eine Schädigung haben würden wir natürlich runterfallen.

00:15:44: Das heißt, da brauchen wir den PSA gegen Absturz.

00:15:47: Wir haben ein zweites Gerät, ein mitlaufendes Auffanggerät.

00:15:51: Und das läuft einfach an einem zweiten Seil mit und würde uns, ja im Notfall würde es uns auffangen.

00:15:59: Das ist sehr beruhigend!

00:16:02: Herr Otter als erfahrener Industriekletterer haben Sie ja sicherlich schon sehr viel erlebt.

00:16:07: Sie könnten da wahrscheinlich eine Menge Geschichten erzählen.

00:16:10: Gab es denn auch schon mal Situationen in denen sie auch einen Auftrag abgebrochen haben?

00:16:16: Also wo Sie gesagt haben, Sie oder auch die Mitglieder gesagt haben Stopp, das können wir so nicht machen.

00:16:22: Naja, das Thema Witter ist bei uns natürlich immer sehr ausschlaggebend.

00:16:26: Wenn zu viel Wind ist kann man gewisse Arbeiten nicht machen.

00:16:30: Wenn Gewitter aufzieht müssen wir natürlich sofort abbrechen wenn plötzlich Gefahren auftauchen.

00:16:38: also ich erinnere mich Wir haben in einem Kraftwerke arbeitet und natürlich fragt man Wir haben eine Reinigung gemacht.

00:16:46: Wir haben Teile abgesaugt von Kessel-Elementen.

00:16:51: Das fragt man natürlich auch.

00:16:53: Gibt es hier irgendwelche Gefahren, die wir jetzt nicht sehen können?

00:16:58: Dämpfe, irgendwelchen Gase, die austreten Rohre, die heiß werden ... Nee, nee, gibt das nicht so!

00:17:04: Ja und dann kennt man aber ja irgendwo die Geschichten mit.

00:17:09: Da ist mal doch ein Seil durchgeschmort Und so war's tatsächlich bei uns dann auch.

00:17:15: Wir haben gearbeitet und dann guck ich nach unten und denke zu meinem Seil ist so kurz Das ging doch noch eben bis auf den Boden und guck dann fünf Meter weiter und sehe dann das Seilende unten.

00:17:28: Und dann war es tatsächlich so, dass da eine Rohr furchtbar heiß geworden ist und hat die unteren fünf Meter vom Seil einfach mal durchgeschmort.

00:17:37: Dann haben wir auch erstmal den Einsatz da abgebrochen und im Prinzip die zu Messwarte, die Meister gefragt sind was hier passiert?

00:17:47: Es gibt doch angeblich keine Rohre.

00:17:48: Doch, aber das wird ja nur ab und zu mal

00:17:50: heiß.".

00:17:50: Ja genau!

00:17:52: Und dann mussten wir erst einmal klären wie man weiterarbeiten kann ohne dass so was nochmal passiert und da haben wir den Demonstrat jetzt mal abgebrochen.

00:18:01: Gott sei Dank!

00:18:04: Ich habe es vorhin schon über Redundanz gesprochen.

00:18:09: Gibt es noch andere Mechanismen die Sie einbauen können um eben für Sicherheit zu sorgen?

00:18:16: Also als Industrieklader erst mal arbeiten wir im Seil oder beziehungsweise mit zwei Seilen.

00:18:22: Das heißt, wir gehen ja auch schon gesichert mit unseren Seilen an die Kante.

00:18:26: aber generell wenn man jetzt im PSA Bereich widerspricht also Leute die einfach Dächer begehen da gibt es natürlich Lifeline-Systeme also Permanenzsysteme entweder aus Edelstahlseilen und Schienensystemen die wir auch schon einmal einbauen und natürlich auch regelmäßig dann prüfen.

00:18:44: Das sind dann andere Systeme als die wir benutzen jetzt.

00:18:52: Dazu kommen natürlich Geländer, das wird ein immer größeres Thema, dass hier öfter ein Dach begangen wird und kommt auch ein bisschen auf den Wand von wem diese Rückhaltesysteme oder die Lifelines nicht mehr ausreichen, dann müssen Geländer aufs Dach.

00:19:09: Spätestens wenn Zivilisten irgendwo im Absturz Gefährdeten Bereich sind dann müssen richtig feste Gelände, also die gehören zur Bausubstanz.

00:19:17: Die müssen gebaut werden.

00:19:19: aber als Industrieglitter ist man erstmal auf seine zwei Seile angewiesen und die reichen auch bis jetzt mal aus.

00:19:26: Also wenn diese Sicherheitsmechanismen greifen im Fall der Fälle und auch mal Schlimmeres verhindern, dann handelt es sich ja um so ein... sogenannten beinahe Unfall.

00:19:38: Wie gehen Sie mit solchen Momenten um, damit auch daraus ein Lerneffekt entsteht und sich so etwas im Zweifelsfall nicht mehr wiederholt?

00:19:46: Haben sie vielleicht sogar ein Beispiel dazu?

00:19:49: Also zum Glück ist bei uns noch nichts passiert... Wenn so was mal passieren sollte oder man das von anderen hört, dann wird natürlich sowohl im Team als auch bei den jährlichen Wiederholungsunterweisungen so etwas angesprochen.

00:20:01: Es gab mal eine große Umfrage auch bei dem Industrieklettern, bei diesen jährlichem Wiederholungsunterweisung nennt doch mal bitte Unfälle oder Beine und Fälle die euch passiert sind wurden ausgewertet.

00:20:14: dabei ist herausgekommen dass es im seltenste technisches Versagen war ein immer menschliches Versagen.

00:20:20: Also da gibt es Unfälle, da hat einer dann, obwohl man es nicht machen sollte direkt vor sich mit einer Flex gearbeitet und hat sich das Seil durchgeflext.

00:20:30: Und ist dann in sein Auffanggerät gefallen.

00:20:33: natürlich ich hab's mal gesehen, da hatte einer im Kessel also auch wirklich bei Dunkelheit seine Seile umgebaut die Anschläge umgebaut und hat dann aber nicht den richtigen Knoten erwischt um in Karabiner, sondern hat das Rest vom Seil die Seilpuppe eingehangen.

00:20:49: Das habe ich von außen noch im letzten Augenblick gesehen.

00:20:51: da konnte nochmal schnell umgebaut werden, aber sowas könnte natürlich auch immer böse enden.

00:20:56: Aber ja deswegen wie gesagt immer zwei Systeme, immer vier Augen und immer reden.

00:21:01: und wenn was passiert?

00:21:03: es gibt aktuell In Deutschland noch keine Meldepflicht für Beinaheunfälle.

00:21:08: Die Engländer mit ihrem System sind ein bisschen weiter, da muss jeder Beinahaunfall gemeldet werden.

00:21:13: aber mal gucken wir mal ob's bei uns auch immer so ist.

00:21:17: Warten wir es ab vielleicht jetzt mal einen kleiner Bogen.

00:21:20: was können denn Menschen in anderen Berufen von ihrer Branche also von Industriekletterern oder Kletterinnen lernen sowohl in Jobs die eben auch in Höhe stattfinden aber auch zum Beispiel in ganz anderen Arbeitswelten?

00:21:34: Also ich glaube, das Hauptthema ist immer diese Gefährdungsermittlung.

00:21:39: Gefährderungstermittlungen und Stress-und Hektik.

00:21:43: Das sind mal drei Stichworte die bei uns wichtig oder ein Logo sind.

00:21:50: Wer irgendwo bei der Arbeit stress- und hektik verbreitet, muss schneller gehen jetzt hier... Dann werden zumindest bei uns irgendwann Unfälle passieren, ja gerade bei Leuten die nicht so erfahren sind.

00:22:03: Bei denen noch nicht jeder Handgriff tausendmal gemacht wurde.

00:22:06: das ist ein Potenzial so schürm, so kann ich Unfälle schüren.

00:22:11: Meistens es so in der Kunde mich fragt wie wollte er das denn machen oder wie kommt ihr denn da hin?

00:22:16: und dann muss sagen Ja Das kann ich Ihnen dann sagen, wenn ich weiß wie wir da wieder wegkommen.

00:22:21: Wir zäumen immer das Pferd von hinten auf.

00:22:23: Egal wo wir sind, wir müssen wissen, wie kriege ich den aus der Situation rausgerettet?

00:22:28: Reichten zwei Mann-Team, brauche vielleicht ein Dreimann-Team!

00:22:30: Das sieht dann immer blöd aus weil zwei Leute rumstehen ja nur eine arbeitet.

00:22:35: aber für den Ernstfall muss sich die Leute irgendwo auch wieder raus oder runter oder zur Seite rausbekommen.

00:22:43: und diese Überlegung Okay, was passiert wenn jetzt wirklich einer unmähig wird?

00:22:50: Wie kriege ich wehen weg?

00:22:52: das trifft auf ganz viele Situationen auch außerhalb der sei zugangstechnik zu und Ich glaube man sich tatsächlich so solche Gedanken macht nur nicht immer.

00:23:01: nur wie komme ich schnell hin und kann meine arbeit schneller ledigen?

00:23:04: So können wir auch Unfälle vermeiden.

00:23:06: Ich glaube dass es ein sehr guter Ratschlag also dieses absolut vorausschauend Denken und wenn du's eilig hast mach langsam

00:23:14: so ungefähr

00:23:16: dann Bedanke ich mich ganz herzlich bei Ihnen, Christian Otter.

00:23:20: Dass Sie bei uns zu Gast waren und wir freuen uns, liebe Zuhörerinnen und Zuhöre!

00:23:24: Wenn sie uns auf dem Podcast-Kanal Ihrer Wahl abonnieren und uns eine Bewertung oder einen Kommentar und gerne auch Fragen auch gerne an Herrn Otter da lassen.

00:23:34: Vielen Dank!

00:23:34: Gerne!

00:23:37: Weiterführende Informationen finden Sie auch in den Show Notes unter etem.bge.de.

00:23:45: Festzuhalten bleibt Vom Industrieklettern kann man für den Arbeitsschutz lernen.

00:23:51: Erstens Sicherheit beginnt mit guter Planung, zweitens Hektik führt zu Unfällen.

00:23:57: deswegen wenn es schnell gehen soll mach langsam.

00:24:00: und drittens Redundanz reduziert Risiken denn doppelt hält besser.

00:24:06: ganz sicher

00:24:08: Ganz sicher der Podcast Für Menschen Mit Verantwortung.

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